Der Koffer meiner Kindheit

Er ist rot der Koffer meiner Kindheit, aus starkem Karton, an den Seiten zusammengenäht mit einem ehemals weissen Faden. Ich kann mich nicht erinnern, ob dieser jemals erneuert wurde. Jedenfalls hat er gehalten, der Faden. An einer Ecke ist er etwas ausgeleiert, aber das stört nicht, irgendwie gehört das dazu.

 

Der Deckel des Koffers hat am Deckel zwei kleine Bohrungen. Ich versuchte wohl einmal, dort Anstecker aus irgendeiner Stadt oder einem Land anzubringen, schaffte es aber nicht, ihn ganz zu durchbohren. Dafür ist er mit dünnen, dunklen Strichen verziert, die aussehen wie Gekritzel von einem kleinen Kind, dass gerade die Stiftführung lernt. Der Griff ist aus Metall und die rote Farbe blättert von ihm ab.

Innen ist der Koffer mit einem vergilbtem Papier beklebt, mit einem feinen Muster aus roten, zarten Linien.

Das Papier ist an den Knickstellen zerrissen. Wenn man den Deckel wieder zu macht, schnappt ein Verschluss aus silberfarbenem Metal zu. Ganz sanft, ohne zu quietschen oder zu stocken, ohne Rost, ohne Widerstand.

Auf, zu, auf, zu - unversehrt! Er ist rot, der Koffer meiner Kindheit.

„Made in Czechoslovakia“ steht drauf - in goldenen Buchstaben.

Foto: Family Archiv Johana Munzarova

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