M wie Mama

Jireckova Ulice, Prag.

Hier wohne ich mit meiner Mama und deren Mama. Ich habe ein grosses Zimmer nur für mich alleine.

Aus dem Fenster sehe ich auf die andere Strassenseite. Ich bin in der ersten Etage. Das ist von Vorteil, denn einmal, als die Fassade gestrichen wurde und das Haus mit einem Gerüst eingezäumt war, kamen wir nach Hause und Mama hatte ihre Schlüssel vergessen. Und Oma war nicht daheim. Aber mein Fenster war leicht offen und so kletterte meine Mama am Gerüst zu meinem Fenster, öffnete es und stieg wie eine erfahrene Einbrecherin in unsere Wohnung ein, um uns dann durch die Tür hereinzulassen.

 

Aber Mama war keine Einbrecherin. Sie arbeitete im tschechischen Fernsehen. Sie brachte die Puppen und Marionetten in den Kindersendungen zum singen, tanzen, laufen, sitzen. Manchmal sprach sie auch für sie.

Meine Mama konnte jedes Stück Holz, Stoff oder Wolle zum Leben erwecken. Sie konnte das so gut, dass man sie vollkommen vergass und nur noch auf die Puppe schaute, die so lebendig und echt sich bewegte, sobald meine Mama sie in die Hände nahm. Wenn sie dann die Puppe aus den Händen legte, lag da nur ein Stück Holz, Stoff, reglos, bewegungslos, ausdruckslos. Ohne Mamas Hände gab es kein Leben. Meine Mama war sehr mächtig.

Und sie konnte durch Fenster in Wohnungen steigen.

Foto: Family Archiv Johana Munzarova

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Kommentare: 1
  • #1

    Jana Trumpf (Mittwoch, 26 September 2018 19:23)

    Je mozne ze se na maminku i medu jeste pamatuju ? Vojana uz jsem nezazila .. ale medvidek je my moooc povedomy.
    ���