P wie Papa

In unserer Wohnung hatte ich ein eigenes Zimmer. Das führte in eine große Diele, von der aus man in die anderen Zimmer, das Bad, die Küche und auch durch die Wohnungstür, nach Aussen gelangen konnte. Durch diese Wohnungstür kam immer mein Papa herein um mich abzuholen. Er stand nur so da, lachte mich an, öffnete sein Arme und ich konnte durch die große Diele Anlauf nehmen, und ihm in die Arme fliegen. Er fing mich auf - immer. Die Diele war etwas dunkel, denn die Fenster waren nur in den Zimmern, aber jedesmal, wenn mein Papa in der Wohnungstür stand, wurde es hell. Er hatte blonde Haare und warme, feste Arme. Und ein strahlendes Lächeln. Er konnte Licht herzaubern - aber er war kein Zauberer. Er arbeitete in dem großen, schönen Gebäude mit dem blau-goldenen Dach, das am Ufer der Moldau steht. Dorthin kommen immer viele Leute, um Menschen, wie meinen Vater zu sehen. Er hatte einen schönen Beruf, denn er sagte immer, er gehe spielen. Das fand ich immer sehr schön, dass mein Vater spielen geht und nicht arbeiten, wie die Väter der anderen Kinder.

 

Mit mir hat er auch immer gespielt, an den Wochenenden, wenn wir zusammen sein konnten. Er hatte ein kleines Häuschen am Stadtrand, dort wohnte er mit seiner zweiten Frau und deren Tochter, die so klein war, wie ich.

Bei Papa haben wir immer gespielt. Morgens spielten wir Nordpol und wurden juchzend und kreischend mit kaltem Wasser abgeduscht und trocken gerubbelt. Dann gingen wir in den Wald auf Abenteuer, bis hin zu einer großen Wiese. Am anderen Ende der Wiese war ein kleiner Flugplatz mit kleinen Flugzeugen. Viele hatten ganz lange Flügel und keinen Motor. Die wurden dann von einem anderen kleineren Flugzeug, das Motor hatte in die Luft gezogen. Wir lagen zu dritt im Gras, schauten in den Himmel und sahen wie die Flugzeuge sich in die Lüfte hoben und dort lautlos schwebten - und unsere Herzen, unsere Wünsche, unsere Gedanken flogen mit. Auf dem Rückweg hob uns Papa auf eine Mauer aus Holz und Steinen, die war größer als er und stellte sich unten hin, öffnete seine Arme und sagte: „Spring, ich fang dich auf!“ Ich sprang. Mein Papa fing mich auf - immer.

Und er konnte spielen.

Foto: Family Archiv Johana Munzarova

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