I wie Ivan

In der Jirečková ulice, wo ich mit meiner Mama und Libuše, die ich nicht Oma genannt werden will, lebe, und wo mich mein Papa immer am Wochenende abholt, habe ich ein Zimmer. Libuše hat auch eins und meine Mama hat auch eins. Ausserdem ist dort eine kleine Küche und ein Esszimmer, wo immer Besuch sitzt, wenn welcher da ist.

 

Und irgendwann ist auch Ivan da. Ivan ist ein guter Freund von Mama, denn sie lachen viel, wenn sie zusammen sind. Ivan wohnt nicht weit weg, bei seiner Mama und Papa und vielen Geschwistern. Es ist immer sehr laut dort, bei so vielen Menschen in einer Wohnung. Und es ist immer lustig. Wenn Ivans Geschwister auf mich aufpassen, veranstalten sie Olympische Spiele und bauen Hürden aus Tischen und Sofas auf und rennen im Kreis durch die Zimmer. Manchmal spielen sie auch mit mir als Ball und kippen mich hin und her. Wir gehen auch zusammen Schlittschuhlaufen in den Letná Park. Ivans kleiner Bruder ist älter als ich und er fällt immer hin und lacht. Ich glaube, er weiss dass ich Angst habe vor dem Eis und er fällt immer wieder hin und lacht. Ivans kleine Schwester, die auch grösser und älter ist als ich, hält immer meine Hand. Sie passen wirklich gut auf mich auf , die beiden. Es ist laut und lebendig in Ivans Familie. Ich kenne das nicht. Ich habe keine Geschwister und bin alleine, ausser wenn ich Papa besuche. Dann ist die kleine Tochter von Papas neuer Frau da. Die ist auch alleine und zusammen sind wir dann mit Papa und nicht so alleine.

 

In Ivans Familie ist niemand niemals alleine. Und still ist es dort auch nicht. Ich glaube, deshalb ist Ivan bei meiner Mama, Libuše und mir eingezogen. Er ist gerne still und sitzt in Mamas Zimmer und tippt auf einer kleinen Schreibmaschine. Er hat überall Bücher und Papier, raucht Zigaretten und denkt nach und tippt dann ganz lange auf der Schreibmaschine. Wenn er nicht tippt, redet er mit meiner Mama und liest ihr vor was er geschrieben hat. Er kann auch gut Witze erfinden und Worte so verdrehen, dass der Blödsinn Sinn macht. Ich glaube, wenn er seine laute, grosse Familie vermisst, fängt er an Blödsinn zu machen und lacht.

Ivan kann über alles lachen - am Meisten über sich selbst.

 

Das ist eine ganz tolle Sache - über sich selbst lachen. Ich konnte das nicht und Ivan hat mir das beigebracht, als ich noch ganz klein war - in der Jireckova Ulice in Prag.



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Kommentare: 1
  • #1

    Ivan wie I (Mittwoch, 11 Dezember 2019 04:05)

    es war genauso, wie es beschrieben ist.

    Die "Leichtigkeit des Seins" in der Jirečkova ulice war wunderbar und es ist schoen das es jemand so gut erzaehlen kann und noch viel schoener ist dass der Jemand Johana ist und kann sich genauso gut an die Zeit erinnern, denn das beste am Schreiben ist die Moeglichkeit die Zeit fur einen Moment mit Buchstaben stoppen und so die Minuten, die eigentlich ganze Jahre dauern, - /obwohl es wissenschaftlich nicht ganz bewiesen ist/ - wieder zurueck holen.